Der McNemar-Test lässt sich der Klasse der statistischen Testverfahren zur Feststellung von Gruppenunterschieden zuordnen. Dabei kommt dieser Testmethode jedoch eine besondere Bedeutung zu da sie. Anders als bekannte Verfahren wie der t-Test für unabhängige Stichproben oder der χ2-Test, werden hier abhängige Stichproben untersucht. Abhängige Stichproben beschreiben Untersuchungen, bei denen Personen verschiedenen Treatments ausgesetzt werden und daraufhin wiederholt hinsichtlich ihrer individuellen Merkmalsausprägung erfasst werden. Dies birgt interpretative Schwierigkeiten, da die Ausprägung einer Person nach einer Maßnahme in der Regel mit ihren erhobenen Werten vor der Maßnahme korreliert, es handelt sich schließlich immer noch um dieselbe Person.

Der McNemar-Test ist in der Lage, diese Situation zu lösen, indem er eine Vier-Felder-Tafel nutzt, welche aus einer dichotomen abhängigen Variablen sowie der dichotomen unabhängigen Variable gebildet wird.

 nachhernachher


+
vorher+ab
vorhercd

Die Formel zur Berechnung der Teststatistik lautet folgendermaßen:

In Abhängigkeit der Freiheitsgrade und des Alpha-Niveaus ergibt sich ein kritischer  Wert, welcher über die Signifikanz zwischen den verbundenen Gruppenhäufigkeiten bestimmt. Eine wesentliche Voraussetzung für die angemessene Interpretation der Ergebnisse ist das Vorhandensein gleich großer Gruppen. Im Falle eines Wegfalls einzelner Probanden, kann es zu Problemen bezüglich des Tests kommen.

Beispiel: Mit Hilfe des McNemar-Tests soll geprüft werden, ob ein spezielles Raucherentwöhnungs-Programm zur systematischen Reduzierung des Raucherverhaltens führt. Dazu wird einer Gruppe von 200 Personen die Möglichkeit gegeben, an dem Programm teilzunehmen. Es findet eine Erfassung des Raucherverhaltens vor und nach dem Programm statt. Es ergibt sich folgendes Bild:

 nachhernachher


+
vorher+9520
vorher5180

Es zeigt sich, dass 95 Personen sowohl vor als auch nach dem Programm rauchten. Lediglich 5 Personen haben in Folge des Programms mit dem Rauchen begonnen. 20 Personen haben in Folge des Programms mit Rauchen aufgehört. Insgesamt 180 Personen haben kontinuierlich nicht geraucht. Das Einsetzen der Werte in die Formel ergibt:

Die resultierende kritische Schwelle lautet X21;95 = 3.84. Damit zeigt sich, dass das Programm einen signifikanten Einfluss auf die Rauchgewohnheiten der untersuchten Personen hatte.