In der medizinischen Forschung und Praxis werden unterschiedliche Merkmale erhoben, um anhand der erfassten Ausprägung entsprechende Maßnahmen durchzuführen. Dabei existieren zwei grundlegend unterschiedliche Merkmalstypen: Qualitative und Quantitative Merkmale. Qualitative Merkmale zeichnen sich durch das Vorhandensein verschiedener Kategorien aus, welche die möglichen Ausprägung der qualitativen Variable darstellen. Im Falle von genau zwei möglichen Ausprägungen, die das qualitative Merkmal annehmen kann, wird von dichotomen Variablen gesprochen. Ein Beispiel ist das Geschlecht (männlich/weiblich) oder der aktuelle Familienstand (verheiratet/unverheiratet). Qualitative Merkmale können jedoch auch mehr als zwei mögliche Ausprägungen aufweisen. Beispielsweise kann hinsichtlich der Religionszugehörigkeit (mindestens) zwischen Christentum, Islam, Judentum, Buddhismus und Hinduismus unterschieden werden.

Ein entscheidendes Charakteristikum qualitativer Merkmale ist eine fehlende Möglichkeit, die Kategorien sinnvoll auf Zahlenbereiche abzubilden. Es besteht keine natürliche Zuordnung von Ausprägungen, wie männlich oder weiblich zu bestimmten Zahlenwerten. Aus diesem Umstand rührt die Bezeichnung qualitativ her, ganz im Gegensatz zu quantitativen Merkmalen, bei denen eine solche Zuordnung möglich ist.

Qualitative Merkmale unterscheiden sich hinsichtlich ihres Informationsgehalts. In diesem Zusammenhang wird häufig vom Skalenniveau eines Merkmals gesprochen. Qualitative Merkmale können nominal oder ordinal skaliert sein. Nominalskalierte Merkmale haben Ausprägungen, denen keine innere Ordnung zugrunde liegt. Die verschiedenen Kategorien stehen inhaltlich völlig gleichwertig nebeneinander. Die Ausprägung männlich kann für sich genommen nur auf derselben Ebene wie die Ausprägung weiblich dargestellt werden. Anders verhalten sich ordinalskalierte Merkmale, deren Ausprägungen in eine logische Rangfolge gebracht werden können. Ein Beispiel ist der höchste erreichte Schulabschluss (Hauptschule, Realschule, Abitur/Hochschulreife). In einem solchen Kategoriensystem lässt sich eine Rangordnung definieren, die mehr Informationen enthält, als nominal skalierte Merkmale. Auch wenn eine Rangfolge ordinaler Merkmale zulässig ist, so können keine Rechenoperationen mit den erhobenen Werten vollzogen werden, da die Abstände zwischen den verschiedenen Ausprägungen nicht als gleich groß zwischen allen Ausprägungen angenommen werden können (Äquidistanz).

In der medizinischen Forschung und Praxis ist es von großer Bedeutung, eine angemessene Zuordnung von betrachteten Merkmalen zu ihrem Skalenniveau zu treffen. Auf diese Weise können nachfolgende Analysen angemessen erfolgen und nachvollziehbare und replizierbare Ergebnisse produziert werden. Qualitative Merkmale lassen sich in der Medizin in verschiedenen Bereichen finden. Zu nennen sind beispielsweise Diagnosen (erkrankt/nicht erkrankt) oder die Beurteilung von Schweregraden einer Erkrankung (leicht, moderat, schwer).

Zusammenfassung: Qualitative Merkmale zeichnen sich durch das Vorhandensein verschiedener Ausprägungen aus, die sich nicht auf natürliche Weise numerischen Werten zuordnen lassen. Es wird zwischen nominalen skalierten Merkmalen (Ausprägungen auf gleicher Ebene) und ordinal skalierten (Rangfolge zwischen den Ausprägungen vorhanden) unterschieden. Qualitative Merkmale erlauben keine mathematischen Berechnungen, was eine begrenzte analytische Auswertung zur Folge hat.