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Qualitative und quantitative Forschung: So finden Sie das ideale Studiendesign

Bevor wir eine statistische Versuchsplanung durchführen, bedarf es der Klärung einer Grundsatzfrage: Handelt es sich bei Ihrem Projekt um eine qualitative Forschung oder quantitative Forschung? Werden Interviews mit Experten durchgeführt oder ein Fragebogen entwickelt? Ausgehend von diesen Fragen zeigt dieser Beitrag daher die einzelnen Schritte hin zur Wahl des idealen Studiendesigns. Aus dem Studiendesign folgt dann auch die passende empirische Forschungsmethode. Für eine konkrete Beratung zur Wahl und Durchführung des optimalen Designs vereinbaren Sie einfach einen Termin zur Statistik Beratung bei uns!

Dieser Artikel beantwortet folgende Fragen:

  • Was ist der Unterschied qualitative und quantitative Forschung?
  • Wie formuliere ich eine gute Forschungsfrage bzw. Hypothese?
  • Worauf muss ich bei der Erstellung des Studiendesigns und der Wahl der Methode achten?

So erkennen Sie den Unterschied: Qualitative und quantitative Forschung!

Die empirische Forschung kennt bekanntermaßen die Gegenüberstellung qualitativ und quantitativ. Eine qualitative Forschung legt den Fokus auf das Verstehen von Zusammenhängen, z.B. mittels Experteninterviews. Der Zugang ist dabei offen und explorativ. Methodologisch handelt es sich um ein induktives Verfahren. Es wird also von empirischen Einzelbeobachtungen auf Allgemeines geschlossen wird. Im Rahmen der Problemstellung geht es um die Formulierung und Beantwortung von Forschungsfragen sowie um das Erkunden der Perspektive der Beteiligten.

Quantitative Forschung basiert dagegen meist auf einem strukturierten Fragebogen Aufbau mit geschlossenen Fragen und vorgegebenen Antwortmöglichkeiten. Ziel ist dabei das Erklären von Zusammenhängen und Überprüfen von Hypothesen. Die Herangehensweise ist deduktiv, d.h. es erfolgt eine Schlussfolgerung vom Allgemeinen (auf Basis von Prämissen/Hypothesen) auf das Einzelne (das vorliegende empirische Datenmaterial). Die Prüfung erfolgt über statistische Signifikanztests. Diese Tests zeigen, ob und inwieweit Ergebnisse aus einer gezogenen Stichprobe für eine vorab definierte Population verallgemeinerbar sind.

Konkret werden hierfür zwei gepaarte statistische Hypothesen formuliert, nämlich: Nullhypothese und Forschungshypothese. Die Nullhypothese beschreibt die Ausgangssituation, wonach es keinen Unterschied bzw. Zusammenhang gibt. Das Gegenteil ist die Forschungshypothese, sie beinhaltet den vermuteten Effekt. Hier lautet die Formulierung: ‚Es gibt einen Unterschied/Zusammenhang. ‘ Eine quantitative Analyse testet immer auf Basis der Nullhypothese, sprich: ein Signifikanztest versucht die Nullhypothese zu verwerfen und damit die Forschungshypothese anzunehmen.

Tiefergehende empirische Forschung kombiniert qualitativ und quantitativ, um so zu umfassenderen Ergebnissen zu gelangen. Man spricht dann von Mixed Methods. Grundlage für jede Art von Forschung ist die strukturierte Planung eines Forschungsdesign, Beispiel siehe nachfolgend.

Qualitative und quantitative forschung - So planen Sie ihre Studie und wählen Sie die Methode
Übersicht zur Wahl der idealen Methode

Was unterscheidet Forschungsfrage und Hypothese?

Im Zuge der Themenfindung und Literaturrecherche ist es wichtig, die Problemstellung möglichst konkret und detailliert zu formulieren. Erst wenn darüber Klarheit herrscht, lässt sich eine konkrete Forschungsfrage oder Hypothese ableiten. Wodurch unterscheiden sich nun Forschungsfrage und Hypothese? – Beide dienen zur Abgrenzung und Präzisierung der Problemstellung.

Eine Forschungsfrage wird primär für qualitative Forschung verwendet. Zu vermeiden sind dabei Entscheidungsfragen, die mit ‚Ja‘/‘Nein‘ zu beantworten sind, ebenso wie wertende Fragestellungen (‚Warum ist Produkt A besser als B‘?). Ziel des induktiven Vorgehens sind in die Tiefe gehende Antworten, eine sinnvolle Formulierung könnte sein: ‚Inwiefern unterscheiden sich die Produkte A und B voneinander?‘

Hypothesen dagegen werden überwiegend für eine quantitative Analyse verwendet, in denen standardisierte Methoden zur Anwendung kommen. Hypothesen sind Aussagen oder Behauptungen, die einen kausalen Zusammenhang formulieren (‚je-desto‘ oder ‚wenn-dann‘). Wichtig dabei:

  • Eine Hypothese muss konkret messbar und falsifizierbar sein, d.h. an der Realität überprüfbar und widerlegbar.
  • In jeder Hypothese sollte nur ein Thema bzw. ein Forschungsgedanke formuliert sein, und diesen gilt es so klar und präzise wie möglich zu benennen.
  • Unklare Formulierungen und Aussagen ohne (empirische) Relevanz sind zu vermeiden wie zum Beispiel: Es gibt Studierende, die in Vorlesungen meist aufmerksam sind.

Am Weg zum passenden Studiendesign – Achten Sie auf die Gütekriterien!

Die Formulierung von Forschungsfragen/Hypothesen ist Grundlage für jedes Studiendesign. Hier wird die konkrete Vorgangsweise für qualitative und quantitative Forschung beschrieben, für die es folgende Fragen zu klären gilt:

  • Was ist die Grundgesamtheit: Über welche Zielgruppe sollen Aussagen getroffen werden?
  • Handelt es sich um eine Stichprobenziehung? Wie erfolgt diese? Wie viele Personen werden befragt? Ist die Auswahl der Zielpersonen repräsentativ?
  • Wie wird die Erhebung durchgeführt? Wann ist der Erhebungszeitraum? Gibt es einen Messzeitpunkt oder mehrere?

Diese Fragen sind entscheidend für die Wahl der passenden Forschungsmethode.

Für quantitative Forschung ist die Festlegung der Variablen und Bestimmung der Skalierung von Daten ein weiterer Punkt. Es gilt zu klären, ob es sich um nominale, ordinale oder metrische Variablen handelt, um so für jede Variable das Messniveau zu bestimmen. Das ist wichtig für die Wahl der infrage kommenden statistischen Testverfahren. Hier gilt es gegebenenfalls noch Voraussetzungen zu prüfen (zB. Normalverteilung), die mit Tests verbunden sein können.

Im Rahmen einer professionellen Statistik-Beratung gilt es schließlich noch auf die drei Gütekriterien hinzuweisen, die für eine empirische Forschung zu beachten sind:

  • Objektivität meint die Nachvollziehbarkeit der Forschungsschritte sowie ein transparentes und systematisches Vorgehen
  • Reliabilität bedeutet Zuverlässigkeit der Messung und die Wiederholbarkeit der Ergebnisse (beim Einsatz gleicher Methoden). Es geht also um das exakte Erfassen dessen, was gemessen werden soll.
  • Validität meint die Gültigkeit der erhobenen Daten, ob das gemessen wird, was zu messen vorgeben wird.

Zusammenfassung:

Dieser Artikel hat ausgehend vom Unterschied qualitative und quantitative Forschung die Bedeutung von sinnvollen Forschungsfragen und Hypothesen für empirische Forschung dargelegt. Auf dem Weg hin zu einem passenden Studiendesign wurden konkrete zu klärende Fragen erörtert, deren Beantwortung wesentlich zur Methodenfindung beitragen. Schließlich wurde noch auf die Wichtigkeit der Einhaltung einiger Gütekriterien verwiesen. Sollten Sie ein tiefergehendes Coaching dazu wünschen, wenden Sie sich jederzeit an uns!

Quellenangaben:

Atteslander, Peter. Methoden der empirischen Sozialforschung. 13. Aufl. Berlin, N.Y. de Gruyter 2010.

Diekmann, Andreas. Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen. 7. Aufl. Reinbek. Rowohlt 2013.

Kuckartz, Udo. Mixed Methods . Methodologie, Forschungsdesigns und Analyseverfahren. Wiesbaden. Springer 2014.

Universität Wien. Methodologische Gegensatzpaare: induktiv vs. deduktiv. https://www.univie.ac.at/sowi-online/esowi/cp/methodologiesowi/methodologiesowi-13.html